Schweighausen St. Romanus / Baden                               Lahr, Juni 2005

 

Mathias Martin 1809

 

Im Rahmen einer Reinigungsarbeit der Martin–Orgel von 1809 ergab sich die Gelegenheit, die gut erhaltenen, originalen Pfeifen unter die Lupe zu nehmen.

Besonderes Interesse galt dabei den originalen, zugelöteten Gedeckten (Rohrflöte, 8–Reihe des Cornet, Bourdon), deren Körperlängen Aufschluss geben können über die vermutliche Stimmungsart Martins. Diese Orgel ist eine der wenigen auf rechtsrheinischer Seite, die dem Fortschrittsglauben der 1970-er Jahre nicht zum Opfer gefallen ist.

Dank einer behutsamen Restaurierung durch die  Firma P.Vier im Jahre 1979 ist wertvolle Originalsubstanz auch für weitere Forschungen erhalten geblieben. Die damals vorgefundene Stimmtonhöhe (a1 433 Hz, bei 18 °C) ist so noch erhalten bei einem Winddruck von 76 mm WS.

Herr Peter Vier hat schon 1979 Vergleiche mit Silbermannorgeln im Elsass angestellt, nachzulesen in ’ Akta organologica ’ Band 19.

Aufgrund dieser besonders seltenen Indizien lag es nahe, sich noch einmal mit den Körperlängen zu befassen und mit den heute zu Gebote stehenden Mitteln den derzeitigen Zustand zu dokumentieren.

Die Nachintonation beschränkte sich bewusst auf Ansprachekorrekturen und optimiertes Ausgleichen der Tonstärken bei gerade gestellten Bärten.

Neben den fixen Werten der Körperlängen, muss mit einer Reihe von Faktoren gerechnet werden, deren Auswirkungen im Ergebnis eine gewisse Streuung mit sich bringen:

·        unterschiedliche Aussprachebedingungen

·        Beeinflussung durch Bartstellung

·        Veränderungen durch Nachintonationen nach 1809

Cornet: f1, gs1, b1, f2, fs2, g2, a2 nicht auswertbar (Bärte gekürzt)

Flöte 4’: Fs, B nicht auswertbar (Körper getrennt)

Ds, F, G, B nichtauswertbar (Bärte gekürzt)

·        einzelne leicht deformierte Körper, die um der zu erhaltenden Substanz nicht ausgeformt wurden

·        Fertigungsungenauigkeiten beim Löten der Deckel

 

Trotz dieser Einschränkungen ist die Tendenz einer Ungleichstufigkeit  erkennbar, die sich mit  anderen historischen Stimmungen gut vergleichen lässt.

Die endgültige Festlegung erfolgte vor Ort bei der Fertigstellung, orientiert an den gedeckten Pfeifen, ihrer Stellung in Zusammenhang mit den anderen benachbarten Pfeifen und mit der Absicht, Körperlängen originaler offener Pfeifen nicht zu kürzen.

 

Im Anhang:

 

     1.  Disposition

2.  aktuelle Stimmungsart nach Fertigstellung, 2005

3.  Abweichungen von der logarithmischen Längenteilung

5.  Messungen und Vergleiche

 

 

Disposition 

 

Stimmtonhöhe:     a1 433 Hz  bei 18 °C

Stimmungsart:      mitteltönige Stimmung, an den originalen Körperlängen der

zugelöteten, gedeckten Register orientiert (Bourdon 8’, Flöt

4’, Cornet) siehe Tabelle:

 

Manual           C – f3              76 mm WS

 

1

Prinzipal

4’

C – gs1    Prospekt,  neu, 1979

a1 – f3     original, innen

2

Cornet

5 fach

ab c1        8’, 4’, 2 2/3’, 2’, 1 3/5’

3

Bourdon

8’

C –  h° Holz

c1 – f3 Metall mit Röhrchen

4

Flaut travers

8’

Holz, offen

5

Viol di Gamba

8’

C – H Holz gedeckt, c° - f3 Metall

6

Nazard

3’

 

7

Floet

4’

 

8

Doublett

2’

 

9

Sifflet

1’

neu, 1979

10

Mixtur

4 – 3 fach

neu, 1979

11

Fagot -Trompet

8’

neu, 1979

 

 

Pedal              C - d°              79 mm WS

 

12

Trompetbaß

8’

original

13

Octavbaß

8’

original

14

Subbaß

16’

original

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Innenansicht Kirche und Orgel

 

 

 

Cornett

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Tabelle: Optimierte Stimmungsart

 

 

 

Graphik: Optimierte Stimmungsart

 

 

Ansicht der Manualregister