Mathias Martin 1809
Im
Rahmen einer Reinigungsarbeit der Martin–Orgel von 1809 ergab sich die Gelegenheit,
die gut erhaltenen, originalen Pfeifen unter die Lupe zu nehmen.
Besonderes
Interesse galt dabei den originalen, zugelöteten Gedeckten (Rohrflöte, 8–Reihe
des Cornet, Bourdon), deren Körperlängen Aufschluss geben können über die
vermutliche Stimmungsart Martins. Diese Orgel ist eine der wenigen auf
rechtsrheinischer Seite, die dem Fortschrittsglauben der 1970-er Jahre nicht
zum Opfer gefallen ist.
Dank
einer behutsamen Restaurierung durch die
Firma P.Vier im Jahre 1979 ist wertvolle Originalsubstanz auch für
weitere Forschungen erhalten geblieben. Die damals vorgefundene Stimmtonhöhe
(a1 433 Hz, bei 18 °C) ist so noch erhalten bei einem Winddruck von 76 mm WS.
Herr
Peter Vier hat schon 1979 Vergleiche mit Silbermannorgeln im Elsass angestellt,
nachzulesen in ’ Akta organologica ’ Band 19.
Aufgrund
dieser besonders seltenen Indizien lag es nahe, sich noch einmal mit den
Körperlängen zu befassen und mit den heute zu Gebote stehenden Mitteln den
derzeitigen Zustand zu dokumentieren.
Die
Nachintonation beschränkte sich bewusst auf Ansprachekorrekturen und
optimiertes Ausgleichen der Tonstärken bei gerade gestellten Bärten.
Neben
den fixen Werten der Körperlängen, muss mit einer Reihe von Faktoren gerechnet
werden, deren Auswirkungen im Ergebnis eine gewisse Streuung mit sich bringen:
·
unterschiedliche
Aussprachebedingungen
·
Beeinflussung durch
Bartstellung
·
Veränderungen durch
Nachintonationen nach 1809
Cornet:
f1, gs1, b1, f2, fs2, g2, a2 nicht auswertbar (Bärte gekürzt)
Flöte
4’: Fs, B nicht auswertbar (Körper getrennt)
Ds,
F, G, B nichtauswertbar (Bärte gekürzt)
·
einzelne leicht
deformierte Körper, die um der zu erhaltenden Substanz nicht ausgeformt wurden
·
Fertigungsungenauigkeiten
beim Löten der Deckel
Trotz dieser Einschränkungen ist die Tendenz einer Ungleichstufigkeit erkennbar, die sich mit anderen historischen Stimmungen gut vergleichen lässt.
Die
endgültige Festlegung erfolgte vor Ort bei der Fertigstellung, orientiert an
den gedeckten Pfeifen, ihrer Stellung in Zusammenhang mit den anderen benachbarten
Pfeifen und mit der Absicht, Körperlängen originaler offener Pfeifen nicht zu
kürzen.
Im Anhang:
1. Disposition
2. aktuelle Stimmungsart nach Fertigstellung,
2005
3. Abweichungen von der logarithmischen
Längenteilung
5. Messungen und Vergleiche
Disposition
Stimmtonhöhe: a1 433 Hz bei 18 °C
Stimmungsart: mitteltönige Stimmung,
an den originalen Körperlängen der
zugelöteten, gedeckten
Register orientiert (Bourdon 8’, Flöt
4’, Cornet) siehe Tabelle:
Manual C
– f3 76 mm WS
|
1 |
Prinzipal |
4’ |
C
– gs1 Prospekt, neu, 1979 a1 – f3
original, innen |
|
2 |
Cornet |
5 fach |
ab c1
8’, 4’, 2 2/3’, 2’, 1 3/5’ |
|
3 |
Bourdon |
8’ |
C
– h° Holz c1
– f3 Metall mit Röhrchen |
|
4 |
Flaut travers |
8’ |
Holz, offen |
|
5 |
Viol di Gamba |
8’ |
C
– H Holz gedeckt, c° - f3 Metall |
|
6 |
Nazard |
3’ |
|
|
7 |
Floet |
4’ |
|
|
8 |
Doublett |
2’ |
|
|
9 |
Sifflet |
1’ |
neu,
1979 |
|
10 |
Mixtur |
4
– 3 fach |
neu,
1979 |
|
11 |
Fagot
-Trompet |
8’ |
neu,
1979 |
|
12 |
Trompetbaß |
8’ |
original |
|
13 |
Octavbaß |
8’ |
original |
|
14 |
Subbaß |
16’ |
original |

Innenansicht Kirche und Orgel

Cornett


Tabelle: Optimierte
Stimmungsart

Graphik: Optimierte Stimmungsart

Ansicht der Manualregister