Die Josef Aignerorgel in St. Leonhard in Passeier (Südtirol)

nach der Restaurierung im Herbst 2004

1. Der besondere Stellenwert dieser Orgel 1

2. Auszüge aus dem Restaurierungsbericht 1

2.1. Die Intonationsmaßnahmen. 1

2.2. Dokumentation der Restaurierungsmaßnahmen am Beispiel von Principal piano 8‘ 2

3. Klangliche Messungen des Vor - und Nachzustandes. 4

4. Beispiele einzelner Messergebnisse. 4

 

1. Der besondere Stellenwert dieser Orgel

Der von Josef Aigner 1876 gebauten Orgel muss ein besonderer Stellenwert zugesprochen werden. Im Vergleich zu seinen anderen Werken hat dieses Instrument nur wenig Veränderungen über sich ergehen lassen müssen. Eingriffe durch nachfolgende Orgelbauer bei Reinigungen und Instandsetzungen sind bis auf wenige Ausnahmen schonend ausgeführt worden.

Das gesamte Pfeifenwerk - einschließlich der Prospektpfeifen ! - existiert noch, so dass keine Ergänzungen oder Rekonstruktionen nötig wurden. Eine Romantisierung, wie sie oft nach der Jahrhundertwende vielerorts durchgeführt wurde, hat hier nicht stattgefunden. Die originalen Aufschnitte an Metall - und Holzpfeifen sind deshalb weitgehend erhalten. Disposition und Pfeifenmensuren entsprechen dem typischen Aigner‘schen Schema. Es lassen sich keine fremden Einflüsse der Auftraggeber erkennen. Das beim Bau übernommene ältere Pfeifenwerk von Humpel ( Principal piano 8‘ ) fügt sich gut in das gesamte Werk ein. Selbst die Posaune 8‘ im Pedal mit ihrer eigenwilligen Bechermensur und ihrer sensiblen “Tiroler“ Stimmvorrichtung ist solide gebaut und konnte ohne Korrekturen oder Zusätze wieder gerichtet werden. Diese glücklichen Umstände schaffen gute Voraussetzungen für ein geschlossenes Klangbild, sehr nahe dem Erbauungszustand, nahe der klanglichen Absicht Josef Aigners.

2. Auszüge aus dem Restaurierungsbericht

2.1. Die Intonationsmaßnahmen

Vor Beginn der Restaurierungsarbeiten wurde der klangliche Zustand der einzelnen Register vor dem Ausbau in der Kirche beurteilt. Dabei ergab sich folgendes Bild:

·        Alle Principalregister vom Principal 8’ im Prospekt bis zum 2’ hatten eine starke Lautstärkezunahme vom Baß zum Diskant.

·        Bei näherer Untersuchung wurde festgestellt, dass die schwachen Basslagen häufig auf verengte Fußspitzen zurückzuführen waren.

·        Der steile Anstieg im Diskant lässt sich mit den vorgefundenen übermäßig weiten Kernspalten und offenen Füßen im Diskant erklären.

Die Aufgabe bestand nun darin, diese Unausgewogenheit zu korrigieren, bei ausgleichender Nachintonation diesen Lautstärkeanstieg unter Berücksichtigung der noch originalen Aufschnittmaße bei gleicher Stimmtonhöhe und einem angemessenen Winddruck von 68 mm WS auf ein natürliches, der Mensur gerechtes „Aigner“sches Maß zu bringen. 2 große Keilbälge sind für den Schöpfbetrieb vorgesehen. Bei Motorbetrieb wird ein 3.Balg benutzt, der so eingestellt wurde, dass sich bei geringem Windverbrauch 68 mm WS, bei einem Prinzipal- Plenum etwa 70 mm WS und bei vollem Windverbrauch ( Tutti ) ca. 73 mm WS ergeben. Entgegen dem Motorwind verbessert sich die Windqualität zu einem angenehmen ‘’Atmen’‘ beim Benutzen der Schöpfbälge von Hand.

2.2. Dokumentation der Restaurierungsmaßnahmen am Beispiel von Principal piano 8‘

 

 

Auftrag:                        

Werk

Winddruck:

Stimmtonh.

 

Baujahr:

1876

Befund

Dat.

März

2004

 

 

 

St. Leonhard i. P.

Pos

70 mm WS

444 Hz bei 15 °C

Erbauer:

J. Aigner

 

2004

 

 

Register:                                                                                                    

Pricipalpiano 8'

Umfang:

C - f3

                 

                         

Maßnahmen          

2004

 

Ton

Sign.

Ton

Signatur

Umfang

Durchm.

Fußlänge

Körperlänge

Labium

Aufschnitt

Besonderh.

AR

NK

AL

NE

 

C

 

C

 

414

131,8

250

2320

100   

25

Fußspitzen

 

 

o

 

 

Cis

 

Cis

 

395

125,8

250

2205

97   

24

stark defor -

 

 

o

 

 

D

 

D

 

380

121,0

260

2085

90   

23

miert

 

 

o

 

 

Dis

 

Dis

 

361

115,0

250

1970

87   

23

Haften für

 

 

o

 

 

E

 

E

 

345

109,9

250

1860

83   

22

Oberraster

 

 

o

 

 

F

 

F

 

333

106,1

250

1750

80   

20

bei1350mm

 

 

 

 

Fis

 

Fis

 

317

101,0

260

1665

78   

20

bis 1550 mm

 

 

o

 

 

G

 

G

 

305

97,1

1565

72   

18

 

 

 

 

 

Gis

 

Gis

 

290

92,4

1478

71   

18

 

 

 

o

 

 

A

 

A

 

280

89,2

1390

67   

18

C - H:

 

 

o

 

 

B

 

B

 

280

89,2

300!

1295

68   

17

Aigner

 

 

o

 

 

H

 

H

 

266

84,7

245

1223

63   

18

 

 

 

o

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

c

 

 

268

85,4

310

1130

64   

17

Aigner

 

 

o

 

 

cis

 

cis

 

262

83,4

300

1077

64   

15

Aigner

 

 

o

 

 

d

 

d

 

250

79,6

290

1015

60   

16

Aigner

 

 

o

 

 

dis

 

dis

 

240

76,4

290

952

58   

14,5

Aigner

 

 

o

 

 

e

 

e

 

228

72,6

260

888

55   

15

Aigner

 

 

o

 

 

f

 

f

 

218

69,4

260

852

53   

14

Aigner

 

 

o

 

 

fis

 

fis

 

208

66,2

260

803

50   

14

Aigner

 

 

o

 

 

g

 

g

 

196

62,4

265

756

44   

14

Aigner

 

 

o

 

 

gis

 

gis

 

185

58,9

245

705

43   

12

Aigner

 

 

o

 

 

a

 

a

 

177

56,4

265

665

38   

13

Aigner

 

 

o

 

 

b

 

b

 

169

53,8

265

635

38   

11

Aigner

 

 

o

 

 

h

 

h

 

159

50,6

260

600

36    

12

Aigner

 

 

o

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

c1

 

c1

 

153

48,7

260

555

35   

10

Aigner

 

 

o

 

 

cis

 

cis

 

198

63,1

235

532

35   

10

Humpel

 

 

o

 

 

d

 

d

H

149

47,5

 

500

35   

11

Humpel

 

 

o

 

 

dis

 

dis

c

141

44,9

 

473

34   

11

Humpel

 

 

o

 

 

e

 

e

cs

132

42,0

 

440

32

9,5

Humpel

 

 

o

 

 

f

 

f

d

130

41,4

 

414

31   

9,5

Humpel

 

 

o

 

 

fis

 

fis

 

121

38,5

 

398

28   

8

Aigner

 

 

 

 

g

 

g

f

114

36,3

 

375

27   

8

Humpel

 

 

 

 

gis

 

gis

 

113

36,0

235

353

26   

8

Aigner

 

 

 

 

a

 

a

 

108

34,4

230

333

25   

8

Aigner

 

 

 

 

b

 

b

 

102

32,5

205

313

23   

6,5

Aigner

 

 

 

 

h

 

h

a

98

31,2

205

295

22   

7

Humpel

 

 

 

 

c2

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

cis

 

c2

b

96

30,6

205

274

21   

6

Humpel

 

 

 

 

d

 

cis

h

92

29,3

261

20   

6,5

Humpel

 

 

 

 

dis

 

d

cs

85

27,1

243

19,5

6

Humpel

 

 

o

 

 

e

 

dis

c

90

28,7

230

20   

6

Humpel

 

 

 

 

f

 

e

d

83

26,4

216

19   

5

Humpel

 

 

 

 

 

fis

 

f

ds

79

25,2

205

18   

5

Humpel

 

 

 

 

 

g

 

fis

e

77

24,5

192

17   

5

Humpel

 

 

 

 

 

gis

 

g

f

72

22,9

182

17   

4,5

Humpel

 

 

 

 

a

 

gis

fs

70

22,3

170

16

4,5

Humpel

 

 

 

 

b

 

a

g

68

21,7

163

15

4

Humpel

 

 

 

 

h

 

b

gs

65

20,7

154

15   

4

Humpel

 

 

 

 

 

h

a

62

19,7

144

14   

4

Humpel

 

 

 

 

c3

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

cis

 

c3

b

60

19,1

205

134

13

4

Humpel

 

 

 

 

d

 

cs

h

57

18,2

126

12   

3,5

Humpel

 

 

 

 

dis

 

d

c

54

17,2

120

12   

3,5

Humpel

 

 

o

 

 

e

 

ds

cs

51

16,2

114

11,5

3

Humpel

 

 

 

 

f

 

e

d

49

15,6

108

11,5

3

Humpel

 

 

 

 

fis

 

f

e

46

14,6

205

104

10,5

3

Humpel

 

 

o

 

 

g

 

 

ER = Eselsrücken

 

ZW = Zierwarze

 

 

 

Ausspracherichtung geändert bei Cs - cs°, Pfeifen

 

 

 

AR: Aufschnitt reduziert

 

 

sprechen jetzt nach vorn

 

 

 

AL: Anlängung

 

 

 

 

 

NK: neuer Kern

 

 

 

 

 

NE: neu ersetzt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

3. Klangliche Messungen des Vor- und Nachzustandes

Bei dieser Arbeit wurde erstmalig der Vorzustand von Einzelregistern und verschiedenen Registerkombinationen vor Ort erfasst, mit der Absicht, den Messwerten des Nachzustandes gegenüberzustellen.

Hierbei ist nicht an die Messung und Darstellung absoluter dB–Werte gedacht. Es sollten einmal die Korrekturen am Klangbild von Einzelregistern und Plenumklängen graphisch erkennbar dokumentiert werden; zum anderen sollte untersucht werden, welche Veränderungen die Reinigung der Pfeifen, die ausgleichende Nachintonation und die Korrekturen im Tonstärkeverlauf in Bezug auf Grundton und Obertonaufbau mit sich bringen.

Ein Vergleich mit anderen Aignerorgeln ist nicht beabsichtigt und auch nicht möglich. Die Messergebnisse schließen bewusst den Faktor Raumakustik mit ein. Im Vordergrund steht die Bewertung der reflektierten Schallanteile bei leerer Kirche. Die Untersuchungen in der Werkstatt richten sich mehr auf direkte Schallanteile unter den gegebenen akustischen Bedingungen des Intonierraumes.

Verwendet wurde ein Mikrofon vom Typ Sony ECM – M 5907 mit Nierencharakteristik (120°)

Rechner: Mobil Intel Pentium 4 Prozessor

Die Messung erfolgte über ein Software – Programm: Cool Edit Pro 2.0

Das Mikrofon befand sich auf der Emporenbrüstung mittig zur Orgel in Richtung Altar.

4. Beispiele einzelner Messergebnisse

1. Principal 8’ ( originale Prospektpfeifen )

 

 

Das Diagramm stellt die gemessenen Grundtonwerte des Vor- und Nachzustandes in dB dar. Der Kurvenverlauf des Nachzustandes zeigt den größeren Lautstärkeanstieg im Baß gegenüber dem Diskant.

 

2. Principal piano 8‘

Lautstärkenkorrektur deutlich zu erkennen.

( bei C + 19 dB, bei c3 - 1 dB )

3. Prinzipal – Plenum als Akkord ( c°, e°, g°, c1, e1, g1, c2 )

mit den Registern:

      Principal          8’

      Octav               4

      Rauschquint 2 2/3   ( 2 2/3’, 2’ )

      Mixtur              5 – 4 fach

      Cornett             2 – 5 fach

Auch in einem Plenum–Akkord ist die Korrektur–Tendenz sichtbar, wobei sich der Spitzenpegel von 500 Hz auf 1 KHz verschiebt.

4. Octav 4’

Oktav 4’ wurde in der Werkstatt auf der Intonierlade vor dem Reinigen und Ausformen gemessen. Der Nachzustand zeigt die Veränderungen nach einer ausgleichenden Nachintonation.